Biographie

„José Serebrier gehört heute mit über 175 Einspielungen, vielfach preisgekrönt und mit den besten Orchestern,  zu den herausragenden Dirigenten der Welt  Darüber hinaus hat er sich seit den 50er Jahren mit über 100 eigenen Werken als bedeutender Komponist etabliert.“

Schon früh erwies sich der am 3. Dezember 1938 in Montevideo/Uruguay als Sohn russisch/polnischer Eltern geborene José Serebrier als musikalisches Wunderkind. Mit neun Jahren erlernte er die Violine, das Klavierspiel und lateinamerikanische Folklore. 4 Jahre lang dirigierte er das erste Jugend Orchester in Uruguay, mit dem er im ganzen Land jährlich zahlreiche Konzerte gab.  Er begann bald, eigene Kompositionen zu notieren. Sein frühestes erhaltenes Werk, eine Sonate für Solo Violine, Op.1, datiert von 1948. Serebrier absolvierte die ‚Montevideo School of Music’ und das ‚Montevideo Conservatory’, bis er als 15-jähriger mit seiner 18-Minuten Orchester-Ouvertüre La Leyenda De Fausto einen landesweiten Wettbewerb gewann und auch über Uruguay’s Grenzen hinaus Aufmerksamkeit erregte. Auf Initiative von Aaron Copeland, bei dem er auch in Tanglewood studierte,  und Virgil Thompson erhielt er ein Stipendium des amerikanischen State Department und schrieb sich noch im selben Jahr am Curtis Institute of Music zum Kompositions-Studium bei Vittorio Giannini ein. Er absolvierte eine Ausbildung zum Dirigenten bei Pierre Montreux und Antal Dorati. Mit 19 hatte er als der bisher jüngste bereits zwei aufeinander folgende ‚Guggenheim Fellowships’ erhalten. Mit 20 Jahren war Serebrier 1958 bereits Nachwuchs-Dirigent des Minneapolis Symphony Orchestra und vollendete seine Partita Symphony Nr.2 (1957/58).

Als Komponist wie auch als Dirigent entwickelt Serebrier ein Höchstmaß an Farbigkeit im Klang des sinfonischen Orchesters. 1962 schließlich folgte der Ruf auf die Stelle als Assistent beim New Yorker ‚American Symphony Orchestra’ unter Leopold Stokowski, der zum begeisterten Mentor des jungen Serebrier wurde. Stokowski brachte Serebriers Elegy For Strings zur Premiere in der Carnegie Hall, wo der junge Dirigent ebenfalls 1962 sein Debüt mit dem ‚American Symphony Orchestra’ hatte, das von Publikum und Kritik enthusiastisch aufgenommen wurde. Sein intensiver, dynamischer Zugang zur Musik und seine hervorragende Kontrolle des Orchesters wurden durchgehend gerühmt. 1968 wechselte Serebrier als Assistent nach Cleveland zu George Szells ‚Cleveland Orchestra’, wo er weitere zwei Jahre bei dem ungarischen Meister lernte.

1962  wurde Serebrier’s Elegie für Streicher mit Leopold Stokowsky, 1963 sein Poema Elegiaco (Funeral March) in der New Yorker Carnegie Hall aufgeführt. Das Louisville Orchestra spielte seine Partita ein.

Das Magazin ‚High Fidelity’ feierte Serebrier als „…gekrönter Nachfolger von Villa-Lobos…“ Weitere Werke folgten wie das Konzert für Harfe Colores Magicos, basierend auf einer Reihe von 10 Tönen.  „...Ton Cluster, Klang-Wolken, …Serebrier spielt mit dem Orchester wie Kinder mit Fingerfarben. Er schlägt um sich mit feiner Wildheit und entwickelt etwas von dem theatralischen Horror einer Erzählung von Edgar Allan Poe.“

In den 70er und 80er Jahren leitete Serebrier als Gastdirigent die besten Orchester der Welt. Seine ersten Einspielungen der Film-Suiten von Shostakovich erhielten den Preis der Deutschen Schallplattenkritik. Das Magazin ‚British Music & Musicians’ lobte ihn überschwänglich: "Seit über 40 Jahren hören wir Platten und besuchen Konzerte, doch noch niemals begegnete uns eine vollkommener umgesetzte, musikalisch reinere und umfassender befriedigende Aufführung der Sinfonien Mendelsohns als die, die uns der Ausnahme-Künstler José Serebrier schenkte. Seine Interpretation der Schottischen Sinfonie Mendelssohns ist die einzige, die das Werk gleichberechtigt neben die Italienische stellt. Er ist der einzige Dirigent, der der Schottischen Sinfonie Sinn verleiht und aufzeigte, dass sie wirklich ein großes Werk ist. Das Hauptproblem ist das Finale, das selbst Meister wie Klemperer oder Karajan (unter vielen anderen) nicht schlüssig deuten konnten. Serebrier enthüllt eine strukturelle Geschlossenheit des Werks, die uns überraschte. Seine Einspielung ist völlig lebendig."

1985 initiierte José Serebrier das ‚Festival Miami’ und entwickelt dort seither ein Aufsehen erregendes Programm. Auftragskompositionen von Elliott Carter, String Quartet No.4, und anderen, sowie die amerikanischen Premieren einer Liszt-Oper, einer Wagner-Ouvertüre und anderer Werke haben Miami auf den internationalen Festspielkalender gerückt. Er schrieb ein Multi-Media Werk für den Bass Virtuosen Gary Karr, ein Konzert für doppel Bass und Orchester, welches die beiden weltweit aufführten. Er schrieb Werke für Akkordeon und Orchester, Posaune, Violine und Percussion Ensembles.  Seine Symphony for Percussion wurde von John Elliot Gardiner eingespielt,  sein Violin Konzert Winter wurde unter großem Beifall der Kritik 1995 in New York uraufgeführt und ist seither im Repertoire der bedeutendsten Orchester der Welt. Weitere Werke folgten, unter andrem Dorothy & Carmine! für Flöte und Orchester, At Dusk, In Shadows für Solo Flöte, Night Cry für Bass Ensemble und George & Muriel für doppel Bass und Chorus.

Er erhielt eine Grammy Nominierung für seine Einspielung der 4. Symphonie von Charles Ives mit dem London Philharmonic Orchestra, die seither als ‚Meilenstein’ gilt.  ‚High Fidelity’ beschrieb sie als „….die beste Einspielung, die es je gegeben hat“.

Für seine Einspielungen der Musik Schumanns wurde Serebrier im Frühjahr 2002 zweimal für den GRAMMY nominiert. Als besondere Ehre wurde er eingeladen, bei der Verleihung der Preise in Los Angeles zu dirigieren. Zwischen den Pop und Rock-Preisen war dieser Teil der dreieinhalbstündigen Zeremonie, die in 175 Ländern der Erde etwa eine Milliarde Zuschauer erreichte, die einzige Präsentation klassischer Musik. Im Juni 2002 erschien die Biographie "José Serebrier, A Conductor And Composer At The Dawn Of The New Century" des Musikkritikers Michel Faure. Das 360 Seiten starke Buch wurde ein Bestseller.  



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