Biographie

Nina C. Young (geb. 1984) schreibt ihre Musik mit einem ausgeprägten Gespür für Klangfarben, welches sich in akustischen Bildern von fesselnder Dringlichkeit niederschlägt. Ihre Erfahrungen mit elektronischer Musik durchdringen ihre akustischen Werke, als deren Ausgangspunkt sie nicht Melodie und Harmonie wählt, sondern den Klang an sich, der fortwährend von einem Zustand in den nächsten übergeht.

Über die verschwimmende Grenze zwischen den akustischen und elektronischen Welten schreibt sie: „Wenn ich mit einem neuen Stück anfange, improvisiere ich oft auf meinem Laptop mit Aufnahmen, die ich dann bearbeite, bis ich genau diesen klanglichen „Keim“ finde, aus dem ein Stück entsteht. Dieser wird dann mit klanglichen Experimenten verschmolzen, für die ich meine Stimme, das Klavier, meine Geige und verschiedene andere Instrumente verwende. Schließlich fange ich an, diese Elemente aufzuschreiben, immer gleich als komplette Partitur. Die Orchestrierung ist ein integraler und oft grundlegender Bestandteil meines Kompositionsprozesses. Für mich ähnelt das der Arbeit in einer elektronischen Produktionsumgebung, in der ich immer das horizontale Frequenzspektrum ausbalancieren muss. Jedes Instrument hat eine Eigenfrequenz und bestimmte Filtereigenschaften - wenn man beginnt, diese Effekte zu kombinieren, entsteht eine endlose Welt klanglicher Möglichkeiten.“

Youngs Musik erlangte internationale Anerkennung durch Aufführungen des American Composers Orchestra, des Inscape Orchestra, des Milwaukee Symphony Orchestra, des Orkest de ereprijs, des Nouvel Ensemble Moderne, des Aspen Philharmonic Orchestra, des Argento Chamber Ensemble, Divertimento Ensemble, Either/Or, Ensemble de Musique Interactive, des JACK Quartet, mise-en, Scharoun, Sixtrum und Yarn/Wire. Die Gewinnerin des Rome Prize in Musical Composition 2015-16 erhielt einen Kompositionsauftrag der Koussevitzky-Stiftung bei der Library of Congress, ein Charles-Ives-Stipendium der American Academy of Arts and Letters, den Salvatore Martirano Memorial Award, den Jacob-Druckman-Preis des Aspen Music Festival sowie Ehrungen der BMI, der International Alliance for Women in Music und der ASCAP/SEAMUS. Für ihr Orchesterwerk 'Remnants' erhielt sie 2013 den Publikumspreis bei den Underwood New Music Readings des American Composers Orchestra. Young hat Gaststipendien beim Aspen Music Festival, dem Atlantic Music Festival, der Bennington Chamber Music Conference, dem Nouvel Ensemble Modern‘s 2014 FORUM und dem Tanglewood Music Center innegehabt.

Nach einem Gastjahr an der American Academy of Rome, wo sie neben anderen Werken 'Temenos' schuf, ist Young nun nach New York zurückgekehrt, wo sie als Dozentin an der Fakultät für bildende Künste des Rensselaer Polytechnic Institute beginnt. Zu den Höhepunkten dieser Spielzeit gehören das Orchesterwerk 'Remnants', mit dem die Phoenix Symphony die Klassik-Spielzeit eröffnet, sowie die Premiere eines Werks für Bariton, Orchester und Elektronik beim American Composers Orchestra.

Zu den neusten Auftragswerken gehören ein Taschenkonzert für Fagott für Brad Balliett und das Metropolis Ensemble, 'Agnosco Veteris' für Robert Spano und das Aspen Philharmonic Orchestra, 'When Eyes Meet für wild Up' mit der Unterstützung der National Composition Competition des American Composers Forum, 'EarPlay', ein Concerto für Bratsche für Jocelin Pan und Ensemble Échappé sowie neue Werke für das American Brass Quintet, Cellist Anssi Karttunen und Pianistin Marilyn Nonken.

Youngs Fokus liegt nun vor allem auf kollaborativen, mehrdisziplinären Arbeiten. In Rom erarbeitete Young zusammen mit dem Choreografen Miro Magloire und dem New Chamber Ballett ein ortsgebundenes Stücks, 'Temenos', welches sich mit dem Wechselspiel zwischen Bewegung, Architektur und Klang im Tempietto Del Bramante befasst. In diesem Herbst wird Young das Aldeburgh Music Center besuchen, um am Britten-Pears New Music New Media Program teilzunehmen, wo sie mit Irvine Arditti und IRCAM an der Entwicklung eines Werks rund um Klangverräumlichung und Schallverteilung arbeiten wird. Im Mai 2017 steht dann die ACO-Premiere von 'Out of whose womb came the ice' (ein Auftragswerk für die Jerome Foundation) an - ein Werk für Bariton, Orchester, Elektronik und generatives Video, das die unglückselige Antarktis-Expedition von Ernest Shackleton 1914-17 kommentiert. Mit Vokalist Andrew Munn, Sugar Vendil und dem Nouveau Classical Project arbeitet sie an der abendfüllenden Multimedia-Cantate 'Making Tellus: Sketches of a Cosmogram for the Anthropocene' - ein Werk für Stimmen, gemischtes Kammerensemble, nachhaltige Mode und interaktive Medien, welches sich mit dem derzeitigen sozio-politischen Diskurs über menschliche Einflüsse und die sich rasant verändernde Geologie der Erde befasst.

In 2016 schloss Young ihr Studium an der Columbia University mit dem Doktor der Musik (DMA) ab, wo sie bei Fred Lerdahl, George Lewis, Georg Friedrich Haas und Brad Garton studierte. Ihren Master in Komposition absolvierte sie 2011 an der McGill University, wo sie Sean Ferguson betreute. Während ihrer Zeit in Montreal arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Centre for Research in Music Media and Technology (CIRMMT) und als Studioassistentin und wissenschaftliche Mitarbeiterin in den McGill Digital Composition Studios. Vorangegangen war ein Studium der Meerestechnik und Musik (bei Keeril Makan) am Massachusetts Institute of Technology (MIT), während dessen sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin im MIT Media Lab unter Anleitung von Tod Machover arbeitete.

Neben Konzertmusik komponiert Young Musik für Theater, Tanz und Film. Sie ist darüber hinaus als Konzertorganisatorin und Förderin der neuen Musik aktiv; derzeit ist sie Teil der künstlerischen Leitung der New Yorker Sinfonietta für neue Musik Ensemble Échappé.


Website der Komponistin: Nina C. Young

 

 

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