Tobias PM Schneid - Biographie

"... und vor allem glaube ich, dass Kunst notwendigerweise den Zustand intellektueller Freiheit darstellen muss ..."

Tobias PM Schneid gehört zu den führenden Komponisten seiner Generation, deren Werk ein breites Publikum und einen festen Platz im Konzertleben gefunden hat. Darunter befinden sich auch wichtige Kompositionsaufträge. Sein umfangreicher Katalog wurde bereits mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet. Er beschäftigt sich in seinen Kompositionen mit einer breiten Palette musikalischer Idiome, die von klassischer und zeitgenössischer europäischer Musik bis hin zu Einflüssen aus dem Bereich der avancierten Jazz - und Rockmusik reichen.

Geboren 1963, studierte er von 1985 bis 1992 Komposition bei Prof. Bertold Hummel und vor allem Prof. Heinz Winbeck an der Musikhochschule in Würzburg; 1994 schloss er sein Studium dort mit dem Meisterklassendiplom ab. Heute lebt Tobias PM Schneid mit seiner Familie in Neuburg/Donau und widmet sich hauptsächlich dem Komponieren. Darüber hinaus ist er ein gefragter Dozent für Komposition und Analyse und hat einen Lehrauftrag im Fach Musiktheorie an der Hochschule für Musik in Würzburg inne. Eine Zusammenarbeit mit dem Goethe Institut führte ihn zu Vortrags- und Konzertreisen u.a. nach Budapest, Kyoto und Kopenhagen.

Neben der Erforschung der Möglichkeiten serieller, elektronischer und freitonaler Techniken prägten Analysen von Boulez und Ligeti, sowie die Musik von Gustav Mahler und Maurice Ravel entscheidend seinen Umgang mit musikalischen Parametern.

Außerdem setzt sich Schneid intensiv mit zeitgenössischer Literatur auseinander. Seine Vorliebe gilt hier besonders Thomas Bernhard und Samuel Beckett, aber auch Texten von Friedrich Hölderlin und Walter Benjamin.

Das Orchesterwerk Einklang op.1 von 1989/91 (rev. 2004) ist als eine Art Bilanz der frühen Jahre anzusehen, während das viel beachtete Musiktheaterstück Swin Swin eine neue Schaffensperiode einleitete. Im Jahr 1996 war Schneid ‚composer in residence’ an der Universität Manchester, wo die Aufführungen seiner Werke auf reges Interesse stießen. Die Auseinandersetzung mit zeitgenössischer englischer Musik und der Austausch mit bedeutenden britischen und dänischen Komponisten und Musikern waren und sind wichtige Inspirationsquellen.

Schneid legt seinen Werken musikalische wie auch außermusikalische Konzeptionen zugrunde, seine kompositorische Vorgehensweise kann dabei durchaus unterschiedlich sein. Sein Schaffen ist jedoch immer gezeichnet von der Suche nach Verbindungen zwischen auf den ersten Blick inkompatiblen ästhetischen Konzepten. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Entstehung des Werkes Umbrellas and Sewing Machines (2000). Das musikalische Material sammelte Schneid im Verlauf von 39 Tagen am Schreibtisch sitzend und jeden musikalischen Einfall notierend, von Jazzphrasen über Klangfarben, Melodien bis zu harmonischen Progressionen. Das solcherart aus dem Unbewussten emporgehobene Material unterwarf er anschließend dem Kompositionsprozess, in dessen Verlauf er sich die Aufgabe stellte, nach Verbindungen zwischen den verschiedenen musikalischen Welten zu suchen. Die Bedeutung jeden Tones überdenkend ging es ihm darum, das Material zu kontrastieren oder kontrapunktisch ineinander zu weben – ohne die Verantwortung auf das rigide Gerüst eines bestimmten kompositorischen Systems abzuwälzen.

Unter den zahlreichen Auszeichnungen, mit denen Tobias PM Schneid bedacht wurde, befindet sich u.a. der 1. Preis bei dem von Claudio Abbado initiierten 1. Wiener Kompositionswettbewerb 1990, der renommierte Kompositionspreis der Landeshauptstadt Stuttgart, der Kompositionspreis des WDR „Forum junger Komponisten“, ein Stipendium an der Cite Internationale des Arts in Paris, sowie zweimal der Preis der Sommerlichen Musiktage Hitzacker. Die Werke Versuch über Vergangenes, Einklang op. 1 sowie die Ensemblestücke Two Movements: Prelude I: harmonic encounters und Weird scenes inside the mirror cages wurden von der nationalen Jury als deutsche Beiträge zu den Weltmusiktagen 1989, 1991 und 2006 ausgewählt.

Schneid arbeitet mit führenden Orchestern Europas sowie mit bedeutenden Solisten und Dirigenten zusammen, so z.B. mit dem BBC Symphony Orchestra London, den Rundfunkorchestern des BR, SWR, SR und WDR, dem DSO Berlin sowie dem Münchener Kammerorchester und der Musikfabrik NRW unter Leitung von Sylvain Cambreling, Dennis Russell Davies, Johannes Kalitzcke, Brad Lubman, Andris Nelsons und Peter Rundel. Unter den Solisten, für die Schneid komponiert hat, befinden sich u.a. Jörg Widmann, Alban Gerhardt, Carin Levine, Siegfried Palm und Stefan Schilli.

Für den ARD Musikwettbewerb 2007 komponierte Schneid das Pflichtstück für Klaviertrio. Im Auftrag von Prof. Jörg Widmann komponierte er das Klarinettenkonzert Beautiful Harmonizer als Pflichtstück für den 1. Internationalen Klarinetten Wettbewerb 2008 in Freiburg i. Breisgau. Schneid vollendete im Frühjahr 2010 seine 2. Symphonie „ time lapse on slow motion grounds“, die im Mai 2010 vom Young Euro Classics Festivalorchester auf der Expo in Shanghai unter der Leitung von Gerd Albrecht uraufgeführt wurde. Das SWR Vokalensemble Stuttgart erarbeitete ebenfalls 2010 unter der Leitung von Marcus Creed die Uraufführung der 3. Sinfonie „XXI“ für 28 Vokalisten.

Das Tecchler Trio mit dem zweifachen Echo-Preisträger Maximilian Hornung konzertierte mehrfach mit den beiden Klaviertrios; das schweizerische Absolut Trio hat neuerdings diese Klaviertrios in sein Repertoire aufgenommen, und präsentiert sie nun einem breiten Publikum.

2012 wurde das Auftragswerk Nacht, Prelude vor Mahler mit dem Philharmonischen Orchester Augsburg unter der Leitung von Dirk Kaftan uraufgeführt. Es wurde als Vorstück zu Gustav Mahlers 7. Sinfonie nahtlos mit dieser verbunden. Im selben Jahr kamen beim Young Euro Classics Festival in Berlin, nach der Schweizer Uraufführung, seine Bagatellen für Klavier solo im Konzerthaus Berlin mit dem Pianisten Benjamin Engeli zu der sehr erfolgreichen deutschen Erstaufführung. 2013 haben Maximilian Hornung die Cellosonate in einem Recital im Augsburger Rokoko-Saal, und Esther Hoppe die Five Portraits - Capriccios for Violin solo während des Lockenhaus Festivals aus der Taufe gehoben. Schneid komponierte im Auftrag des Theater Augsburg die Musik für das Ballett Das Bildnis des Dorian Gray. Die Uraufführung eröffnete die Augsburger Ballett-Saison in 2013. Sein im Auftrag der Neuen Westfälischen Philharmonie komponiertes Saxophonkonzert astral voyager wird im Januar 2014 mit dem Solisten Jan Schulte-Bunert uraufgeführt. Er arbeitet darüber hinaus erneut an einer Komposition für den ARD-Musikwettbewerb.

Auf die bereits bei coviello contemporary und Wergo erschienenen CDs folgte 2013 ein neues Portrait Album bei Neos Music. Zu hören sind darauf die vom zwischenzeitlich aufgelösten Tecchler Trio eingespielten Werke: Sechs Bagatellen für Klavier, Piano Trio Nr. 1 und Nr. 2, Sonate für Cello solo und Five Portraits - Capriccios for Violin solo.

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Preise und Auszeichnungen

1987
Kompositionspreis der Landeshauptstadt Stuttgart
1989
Kompositionspreis 'Forum junger  Komponisten' des WDR
1990 
Kompositions- und Publikumspreis der Sommerlichen Musiktage Hitzacker
1991 
l. Preis des l. Wiener Internationalen Kompositionswettbewerbs (Claudio Abbado)
1993 
Halbjähriges Stipendium der Cite International des Arts, Paris
1994 
Kompositions- und Publikumspreis der Sommerlichen Musiktage Hitzacker
1995 
Einmonatiges Arbeitsstipendium am IRCAM, Paris (nicht angetreten)
1995 
Kompositionspreis 'Angelo Commneno', Rom
1995 
Finalist beim 4th annual International Spectri Sonori Contes! (New Orleans)
1995 
Bayerischer Staatspreis für junge Künstler
1995 
Special Mention beim 3. Internationalen Witold Lutoslawski Kompositionspreis
1997 
Special Mention beim 8e Concours International de Composition Musicale Besancon
2009  
Nominienmg beim Deutschen Musikautorenpreis der GEMA, Kategorie: Sinfonik
2015 
Nominierung beim Deutschen Musikautorenpreis der GEMA, Kategorie: Orchester
2015 
Ordentliches Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste