Biograhpie

" Meine Musik ist funktionale Architektur, was nicht die Emotion ausschließt. Melodische Fragmente leiten sich von dem gleichen Impuls, der gleichen Emotion ab, wie in meinen anderen Werken. Sie singen in beharrlichen Rhythmen, immer in Bewegung ..."
(Revueltas über 'Planos' / 'Danza Geometrica')

Silvestre Revueltas wurde am 31. Dezember 1899 in Santiago Papasquiaro, Durango, im Norden Mexikos geboren. 1907, mit acht Jahren, erhielt er seinen ersten Violinunterricht, der von 1913 bis 1916 am Nationalkonservatorium in Mexiko-Stadt fortgesetzt wurde. Dort begann Revueltas auch sein Kompositionsstudium. Anschließend ging er für vier Jahre in die USA, um seine Studien zu vervollständigen.

Ab 1920 gab Revueltas seine ersten Konzerte als Violinsolist. 1922 erfolgte ein weiterer USA-Aufenthalt zur Vervollkommnung im Violinspiel. Nach seiner Rückkehr lernte er Carlos Chávez kennen, der ihn von 1924 bis 1926 bei seinen zahlreichen Konzerten am Flügel begleitete. Chávez war es auch, der Revueltas 1928 als assistierenden Direktor seines neu gegründeten Orquesta Sinfónica de Mexico berief und Revueltas aufforderte, für das Orchester zu komponieren. Damit begann eine langjährige Zusammenarbeit, die zu den fruchtbarsten in Revueltas' Leben gehörte und bis 1936 währte.

1933 wurde Revueltas Professor für Violine und Kammermusik am Conservatorio Nacional de Música sowie Leiter des Konservatorium-Orchesters. Aufgrund sich zuspitzender Spannungen kündigte Revueltas die Zusammenarbeit mit Chávez 1936 auf und gründete ein eigenes Orchester, das er ebenfalls mit Musik belieferte. Dem Orchester war aber nur eine kurze Existenz beschieden. 1937 ging Revueltas nach Spanien, um sich an den kulturellen Aktivitäten der Republikaner im spanischen Bürgerkrieg zu beteiligen. Er schloß sich der Musiksektion der republikanischen Regierung an und organisierte und dirigierte Konzerte. Hier fand auch die Uraufführung seines für den Film Redes entstandenen gleichnamigen Orchesterwerkes statt, hier komponierte er auch eines seiner ausgereiftesten Werke, Homenaje a Federico García Lorca, das in Madrid uraufgeführt wurde.
1938 kehrte Revueltas nach Mexiko zurück, wo er von da an in bitterer Armut und Zurückgezogenheit lebte. Er komponierte vorzugsweise Musik für den Film sowie das Orchesterwerk Sensemaya, das ihn weltbekannt machte. Am 5. Oktober 1940 starb Revueltas an den Folgen einer Lungenentzündung. Silvestre Revueltas gilt neben Carlos Chávez als der wichtigste und mexikanischste Komponist seines Landes in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts.

Mit der Befreiung Mexikos von der Diktatur des Porfirio Diaz entstand unter den Künstlern das Bestreben, eine durch nationale Identität geprägte Kultur zu schaffen. Im Gegensatz zu anderen Komponisten zitierte Revueltas aber nicht die Volks- und Tanzmusik seines Landes, auch versuchte er nicht wie Chávez, die musikalische Kultur der Ureinwohner zu rekonstruieren. Vielmehr entdeckte Revueltas den reinen mexikanischen Charakter in sich selbst und dem, was ihn umgab: dem gegenwärtigen Mexiko mit seinen Festen und Märkten, seiner Straßenmusik, seinen Landschaften, den Gewohnheiten und Bräuchen seiner Menschen. Dies spiegeln die Titel vieler seiner Kompositionen wider: Caminos (Straßen), Ventanas (Fenster), Esquinas (Straßenecken), Colorines (benannt nach den flammenden Bäumen, die die sonst dunkle Landschaft Mexikos erhellen). Und so gelangte Revueltas zu einer höchst originellen und kraftvollen Musiksprache mit komplexen Polyrhythmen, glänzender Melodik, außergewöhnlichen Harmonien, faszinierenden Klangfarben und prägnanten, dichten Strukturen. Als sein bedeutendstes Werk gilt Homenaje a Federico García Lorca für Kammerorchester, das eines seiner zugleich mexikanischsten und modernsten Stücke ist.

Diese Verbindung von Nationalismus und Moderne erreichte Revueltas gerade in seinen kammermusikalischen Werken, in denen die kleinere Besetzung ihm eine schärfere Fokussierung von Klangfarbe, Dynamik, rhythmischer Artikulation und Kontrast ermöglichte. Gleichzeitig beginnt sich mit Homenaje a Federico García Lorca die Thematik seiner Kompositionen zu vertiefen, indem Revueltas die in seinem Werk angelegte humanistische Komponente verstärkt. Dies ist wohl u.a. zurückzuführen auf den Ausgang des spanischen Bürgerkrieges und die Isolation während seiner letzten Lebensjahre. Und so mag etwa sein Spätwerk Intinerarios (Wegstrecken) sowohl für die Tiefe und Reife des Komponisten Revueltas als auch für die Emanzipation mexikanischer Musik stehen.

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