Charles Ives - Biographie

„Ein großer Mann lebt in diesem Lande - ein Komponist. Er hat das Problem gelöst, 
wie man sich selbst treu bleiben und wie man lernen kann. Er reagiert auf
 
Vernachlässigung mit Verachtung. Er braucht weder Lob noch Tadel zu akzeptieren.
 
Sein Name ist Ives."


In diesen Worten der Anerkennung spielt Arnold Schönberg gerade auf die Voraussetzungen an, unter denen das innovative und avancierte Musikschaffen von Charles Ives entstehen konnte. Abgetrennt vom europäischen Kontinent und ihrer abendländischen Musiktradition sowie frei von dem Zwang, publikumswirksame Musik zu schreiben - Ives verdiente sich seinen Lebensunterhalt als Versicherungskaufmann - entstand eine ideell und materiell unabhängige Musik, die jedem Akademismus oder gar Dogmatismus abgeneigt war.

Am 20. Oktober 1874 kam Charles Edward Ives als Sohn des Kapellmeisters George Ives in Danbury (Connecticut) zur Welt. Sein Vater hatte während des amerikanischen Bürgerkrieges eine Militärkapelle geleitet und setzte diese Tätigkeit an der Spitze einer Privatband fort. Bei ihm erhielt Ives eine fundierte musikalische Ausbildung. Bereits mit zwölf Jahren spielte er die Trommel in der Band seines Vaters und komponierte für diese. Daneben begann er mit dem Klavier- und Orgelspiel, letzteres Instrument spielte er so gut, dass er als Vierzehnjähriger das Organistenamt in der Kirche seiner Vaterstadt übernehmen konnte. Vor allem aber, und dies scheint das wichtigste künstlerische Erbe von Ives' Vaters zu sein, der sich selbst mit musikalischen Experimenten beschäftigte und seinen Sohn daran teilhaben ließ, wurde Charles Ives eine Aufgeschlossenheit und Unbekümmertheit gegenüber musikalischen Phänomenen vermittelt sowie eine große Experimentierfreude geweckt und gefördert.

Als Student der Yale-Universität in New Haven setzte Ives seine musikalische Ausbildung fort, wobei Konflikte mit seinem konservativen Lehrer Horatio Parker, einem Schüler Rheinbergers und strengen Erben deutsch-romantischer Tradition, nicht ausblieben. Kurz nach Studienbeginn starb Ives' Vater bereits im Alter von 49 Jahren, und Ives scheint nie über dessen Tod hinweggekommen zu sein. Nach Studienabschluss sah er sich bald genötigt, einen Brotberuf zu ergreifen, und nahm eine Stelle bei der New Yorker Mutual Life Insurance Company an. Aushilfsweise übernahm er das Orgelspiel in einigen New Yorker Kirchen und widmete seine Freizeit der Komposition, ohne dabei an eine Aufführung seiner Werke zu denken. 1907 gründete er eine eigene Agentur, aus der 1909 die über Jahre größte Lebensversicherung der Ostküste Ives & Myrick hervorging, die ihm die finanzielle Unabhängigkeit sicherte. 1908 heiratete er Harmony Twichell, mit der er sich zeitlebens so verbunden fühlte wie einst nur mit dem Vater. 1918, am Ende des 1. Weltkrieges erlitt Ives einen Zusammenbruch, der zurückgeführt werden kann auf sein anstrengendes Doppelleben als hart arbeitender Geschäftsmann und Komponist, der in einer unglaublichen Geschwindigkeit produzierte,. Seit dieser Zeit stagniert Ives' Kompositionstätigkeit, er erkrankte zusätzlich an Diabetes, und aus den Jahren 1926 und 1927 stammen schließlich Ives' letzte kompositorische Entwürfe wie die zu seiner dritten Klaviersonate und der "Universe Symphony", seinem kühnsten und visionärsten kompositorischen Projekt.

1930 zog er sich aus seinem Geschäftsleben zurück. Seither beschränkte er sich bis zu seinem Tode am 19. Mai 1954 als auf das Ordnen, Korrigieren, Revidieren und die Reinschrift bisheriger Arbeiten. Nur gelegentliche Reisen nach Europa unterbrachen sein abgeschiedenes Leben auf seinem Landsitz in West Redding, Connecticut, mit seiner Frau und seiner Adoptivtochter Edith.

Seine viersätzige Erste Symphonie in D-moll (1898-1902), die Ives als Abschlussarbeit seines Studiums an der Yale University vorlegte, zeigt Anlehnungen an Vorbilder wie Brahms und Beethoven, entwickelt aber durch das Ausbrechen aus der „klassischen Formsprache“ ein eigenes Idiom. Schon die 1896 ausgeführten Skizzen zu seinem Klaviertrio zeigen die Neugier nach neuen, bisher unerforschten musikalischen Dimensionen. Erst nach Beendigung seines Studiums beginnt die intensive Phase experimenteller Kompositionen, die zur Entdeckung der Polytonalität, Atonalität, Polyrhythmik und Vierteltonmusik führten. Dennoch entstand keine isolierte und bloß experimentelle Musik im "Elfenbeinturm", denn Ives' Musik ist tief mit den Traditionen des amerikanischen Lebens und ihrer Popular- und Volksmusik verbunden. Er wird seither als "Vater der modernen amerikanischen Musik bezeichnet. Nahezu sämtlichen Werken von Charles Ives wohnt ein programmatischer Charakter inne. In der Regel beziehen sie sich auf Vorgänge aus dem amerikanischen Leben. Als melodisches Material dienten ihm etwa Zitate aus amerikanischen Kirchenliedern, Volksweisen und -tänzen sowie Ragtimes, aber auch Zitate aus der europäischen Kunstmusik, die er - ungeachtet ihrer Gegensätze, - auf originelle Art und Weise zu Collagen verarbeitete und in die Tradition europäischer Formgebung einband. Die sowohl in dieser Collagetechnik als auch in den Kompositionsprinzipien der Polytonalität, der Polyrhythmik und Polymetrik zutage tretende Simultanität autonomer Strukturen ist der wohl entscheidende Grundzug der Ives’schen Musik. Sie findet ihren philosophischen Rückhalt in den ästhetischen Anschauungen der neuenglischen Transzendentalisten Ralph Waldo Emerson (1803-1882), Henry David Thoreau (1817 – 1862), mit denen Ives sich intensiv beschäftigte, wie etwa mit der Idee Emersons von der grenzenlosen Verfügbarkeit der phänomenalen Welt.

Erst in den dreißiger Jahren erwachte durch ein engagiertes Vermitteln von Komponisten wie Henry Cowell, Lou Harrison, Aaron Copland, Nicholas Slominsky und dem Pianisten John Kirkpatrick ein Interesse an Ives' kompositorischem Schaffen. Mit der legendären Aufführung seiner "Concord Sonata" im Jahre 1939 durch John Kirkpatrick begann Ives' Musik sich dann im Konzertsaal allmählich durchzusetzen. Ives nahm jedoch an dieser Entwicklung kaum Anteil und hat sich selbst bekanntlich weder um die Aufführungen seiner Werke gekümmert, noch, von wenigen Ausnahmen abgesehen, den Aufführungen beigewohnt. Allerdings bestritt er den Druck einiger wichtiger Werke wie den 114 Songs und der Concord Sonate aus eigenen Mitteln. 1947 erhielt er für seine dritte Symphonie den Pulitzer Preis. 1951 führte Leonard Bernstein Ives 2. Symphony mit dem New York Philharmonic Orchestra auf.

Ives' meist aufgeführtes Werk ist: „The Unanswered Question“ für Streichorchester Solo-Trompete und 4 Holzbläser. Dieses Werk wird sehr häufig als Filmmusik wzB in dem Film „Lola rennt“ verwendet.

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The Unanswered Question

Partitur

Edition: Echols, Zahler
Besetzung: Trp/EH/Ob/Kl; Fl I, Fl II, Fl III/Ob, Fl IV/Kl, Str
Dauer: 7 Minuten
Bestell-Nr.: 1864
Preis: 30,00 €

Probeseiten

Aufführungsmaterial (nur als Leihmaterial verfügbar)

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