Biographie

Georg Hajdu ist 1960 in Göttingen als Sohn ungarisch-jüdischer Eltern, die aus ihrer Heimat während des Aufstandes 1956 nach Deutschland geflohen waren, geboren. Seine Kindheit und Jugend waren geprägt von dem wissenschaftlichen Denken des Vaters, eines Physikprofessors, und den künstlerischen Neigungen der mütterlichen Linie. Er zählt den israelischen Komponisten André Hajdu zu den nächsten Verwandten. Es sind diese vielfältigen, kontrastierenden Einflüsse, die das kompositorische Werk Georg Hajdus, das von traditionellen akustischen Kompositionen bis hin zu nicht-notierbaren medialen Realisationen reicht, bestimmen.

Seinen ersten Instrumentalunterricht erhält Georg Hajdu 1973 in klassischer Gitarre. Mit 17, zwei Jahre nach seinen ersten Versuchen, bekommt er in Köln bei Georg Kröll an der Rheinischen Musikschule in Köln Theorie- und Kompositionsunterricht. Bei ihm bleibt er auch bis 1985, als er sich nach dem Abitur entschließt, molekulare Biologie zu studieren. In dieser Zeit entstehen bereits die ersten Werke, in denen ein Wesensmerkmal sichtbar wird - eine Technik, die man als "Attraktionsverfahren" bezeichnen könnte: Intuitiv skizzierte Musik wird einem Analyseprozess unterworfen und die dabei sichtbar gewordenen rationalisierten Strukturen in algorithmischen Verfahren weitergesponnen. Dabei nähern sich die rationalen und intuitiven Aspekte zunehmend an, bis sie ein organisches Ganzes ergeben. Das Klavierstück LogaRhythmen (1983) ist ein frühes Beispiel für diese Haltung. Die Einbeziehung von mathematischen und naturwissenschaftlichen Prinzipien prägen zunehmend seine Haltung und konsequenterweise beschäftigt Hajdu sich nach seiner Aufnahme an die Kölner Musikhochschule (1985) mit Computern und algorithmischen Verfahren. Von Bedeutung sind jetzt seine Lehrer Johannes Fritsch, Krszysztof Meyer, Klarenz Barlow, sowie György Ligeti, dessen Seminar er als Gasthörer besucht.
Hajdu beginnt sich ab 1987 systematisch, kompositorisch wie auch theoretisch, mit Mikrotonalität auseinanderzusetzen. Seine Wahl fällt zunächst auf das 17tönig temperierte Tonsystem, in dem er gleich mehrere Kompositionen schreibt, darunter die Heptadecatonic Drops für zwei Disklaviere (1989) und Klangmoraste für Kammerorchester (1990). Für dieses Werk erhält er den IBM-Preis des Ensemble Modern. Im selben Jahr beginnt er als DAAD-Stipendiat ein fünfjähriges Promotionsstipendium an der University of California in Berkeley. Er verbringt jetzt die meiste Zeit unter der Obhut von David Wessel am interdisziplinären Center for New Music and Audio Technologies. Daneben setzt er seine Kompositionsstudien bei Andrew Imbrie und Jorge Liderman fort. In diese Periode fallen das für das Kölner Trio Ugly Culture geschriebene Stück Riots (1991-92), eine Erinnerung an die von Berkeley ausgegangene Studentenbewegung der 60er Jahre, die Klavierkompositions Fingerprints (1993) sowie sein bisheriges Hauptwerk, die Oper Der Sprung (1994-98), die er in enger Kollaboration mit dem bekannten Berliner Schriftsteller und Filmemacher Thomas Brasch verfaßt. Der Sprung faßt in seiner pluralistischen Herangehensweise die kompositorischen Interessen Hajdus zusammen. Dabei ist ganz wesentlich, dass sich alle disparaten Ereignisse auf einen gemeinsamen Nenner zurückführen lassen: Aus einem Textsample leitet er in verschiedenen Destillationsschritten zunächst die Zeitstruktur und Harmonik und schließlich den klingenden Vordergrund der Oper ab.

1996 gründet er mit seiner Frau Jennifer Hymer das Ensemble WireWorks, das sich auf die Aufführung interaktiver Computermusik mit akustischen Instrumenten und Stimmen spezialisiert hat. Multimedia, sei es Live-Elek-tronik, Internet oder Videoprojektionen, wird zunehmend stärker zur Inspirationsquelle in seinem Werk. Seit 2002 unterrichtet als Professor für multi-mediale Komposition an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg.

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LogaRhythmen

für Piano Solo

Bestell-Nr.: 3523

Preis: 8,00 €