Biographie

Reinhard David Flender, geb. 1953 in Bergneustadt, studierte Klavier, Komposition und Musikwissenschaft in Hamburg, Münster und Jerusalem. Seit 1983 lehrt er an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg.

Nach einer Ausbildung als Komponist und Konzertpianist, die er 1976 mit der künstlerischen Reifeprüfung abschloss, wird seine kompositorische Arbeit durch einen vierjährigen Aufenthalt in Israel (1977-1981) geprägt. Die musikethnologische Forschungsarbeit konzentriert sich zunächst auf die liturgische Musik der Synagoge. Sein Kompositionslehrer Josef Tal, der in Berlin noch Schönberg kennen gelernt hatte, führt ihn in die Kompositionslehre der 2. Wiener Schule ein.
Außerdem arbeitet Flender in Tals Studio für elektronische Musik. Es entsteht das Solo Oratorium Bavoh le tishre für Sopran, Klavier, Cello und elektronisches Band, das 1980 in Jerusalem uraufgeführt wurde. Die 1988 entstandenen Pirkei Tehillim für Sopran und Klavier verarbeiten die mündlich überlieferten Traditionen hebräischer Psalmodie.
Flender hat Hunderte von jüdischen Melodien aufgenommen und transkribiert. Er sieht sich hier in der Tradition von Bela Bartok, der das musikalische Vokabular des 20. Jh durch die Erkenntnisse seiner musikethnologischen Forschungen wesentlich bereichern konnte. Flenders Kompositionen  schließen den rhythmischen und melodischen Reichtum außereuropäischer Musiktraditionen mit ein.
In den 80er Jahren setzt sich Flender insbesondere mit der Musik György Ligetis und Alfred Schnittkes auseinander, zu denen er in Hamburg freundschaftliche Kontakte pflegt. Von 1987 – 1997 leitete er zusammen mit Elmar Lampson das Festival „Hörwelten – Hamburger Begegnung im Zeichen zeitgenössischer Musik“.
Sein Werk "Threnos II" wird 1991 auf dem Wiener Internationalem Kompositionswettbewerb ausgezeichnet und von Friedrich Cerha mit dem Ensemble "Die Reihe" uraufgeführt. Weitere wichtige Werke sind das "Trio in einem Satz", das für das Trio Fontenay entstand, und die Kammeroper "Mein lieber blauer Reiter" nach Texten von Else-Lasker Schüler. Zusammen mit dem französischen Komponisten Henry Fourès leitet er seit 2001 die internationale Sommerakademie für zeitgenössische Kammermusik "opus XXI". SS 2000 wurde er als composer in residence an der Universität Witten-Herdecke eingeladen und im Sept. 2000 composer in residence an der Cité de la Musique in Marseille.
Seit den 90er Jahren arbeitet Flender eng mit dem Quatuor Danel zusammen. Es entstanden zwei Streichquartette: Eurcharisto 1999 und 2. Streichquartett 2003.
Aus Anlass des 50-jährigen Jubiläums von Yad va Shem entstand 2004 das Werk Lacrimae für Klarinette und Streichorchester, das von Giora Feidman und dem Deutschen Symphonieorchester in der Staatsoper Berlin aufgeführt wurde.

CD-Veröffentlichung: AURORA, THRENOS IV, PIRKEI TEHILLIM, MEMORARE, col legno WWE 1CD 20007

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