Biographie

Mohammed Fairouz wuchs in den USA in einer Familie mit arabischen Wurzeln auf und studierte Komposition bei György Ligeti, John Heiss, Gunther Schuller, Halim El-Dabh und Richard Danielpour. Er lebt und arbeitet in Manhattan, New York. Sein eigenes Werk verbindet er mit dem philosophischen Anspruch, der Musik eine gesellschaftsrelevante Bedeutung zu geben. Diese möchte er verstanden wissen als Erweiterung des soziokulturellen Horizonts in einer heute überwiegend kosmopolitischen Gesellschaft. Eine wichtige Quelle seiner Inspiration ist dabei sein eigener familiärer Hintergrund. In seiner Familie wurde die klassische orientalische Kultur gepflegt und der junge Fairouz hörte legendäre Sänger wie Umm Kulthum and Fairouz (nicht verwandt) genau so wie Beethoven und Mozart. Als einer der am häufigsten gespielten Komponisten seiner Generation in den USA erreicht der 27-jährige mit seiner Botschaft ein großes Publikum. Dass er genau den Zeitgeist trifft beweisen die vielen Uraufführungen, Auftragskompositionen und Auszeichnungen, die er dafür erhält.

Mühelos gelingt ihm der Balanceakt, dem sich Komponisten des 21. Jahrhunderts stellen müssen. Seine individuelle Musiksprache geht weit über den Begriff „cross-over“ hinaus. Fairouz verwebt traditionelle orientalische Instrumente, Tonskalen und Rhythmen gekonnt mit Musikzitaten aus der Hochkultur des Okzidents. In einer durchaus als traditionell zu bezeichnenden Kompositions-Technik driftet er dabei niemals ins Folkloristische ab. Lyrische Vertonungen von Versen bekannter Dichter, darunter William Wordsworth und Omar Khayyám, Alma Mahler und Else Lasker-Schüler, oder des Palästinensers Mahmud Darwisch und des Amerikaners Judson Evans, brachten ihm bereits den Ruf eines „modernen Schubert“ ein. Dieser legte in seinen Liedern ebenso viel Wert auf die eine, tragende Gesangslinie. In Mohammed Fairouz Augen entspricht genau das der orientalischen Tradition.

Als 2006 der Ägypter Nagib Mahfouz starb, einer der führenden Intellektuellen der arabischen Welt und als erster arabischsprachiger Schriftsteller Träger des Nobelpreises für Literatur 1988, widmete Mohammed Fairouz ihm die „Elegy for Nagib Mahfouz“,für Violine und Cello. Während er im Frühjahr 2011 im Fernsehen den Aufstand der Demokratie-Bewegung der Ägypter auf dem Tahrir Platz in Kairo verfolgte, entstand sein unglaublich kraftvolles Klarinettenkonzert „Tahrir“, welches dem Solisten David Krakauer gewidmet ist. Wie selbstverständlich setzt er in diesem Werk jüdische neben arabischen Klangelementen ein und zeigt, wie er sich eine geistig offene Welt musikalisch vorstellt:

„Wir haben gar keine andere Möglichkeit mehr als in einer kosmopolitischen Welt zu leben. Ein Teil davon zu sein, eine im großen Chor eingebettete Stimme, ist heute viel attraktiver geworden - denn wir kommen mittlerweile auch innerhalb von 24 Stunden von A nach B überhall hin. Das war in einer anderen Zeit, in einer anderen Welt nicht möglich und das sagt bereits alles. Mahler musste noch zum Katholizismus konvertieren, um an der Staatsoper in Wien seine Stelle antreten zu können. Ist das nicht krass? Wir haben das längst hinter uns gelassen. Kulturell und kompositorisch wird das auch immer mehr reflektiert. Die Hoffnung des 21. Jahrhunderts besteht darin, eine Welt zu formen, in der diese Grenzen sich langsam auflösen, musikalische ebenso wie die physischen Grenzen.“ (Mohammed Fairouz, 2012)

Für einen jungen Komponisten ist Mohammed Fairouz’ Gesamtwerk bereits ebenso bemerkenswert wie umfangreich, um die 100 Lieder, teils in Begleitung eines Kammerensembles, teils für eine Stimme begleitet von nur einem Instrument, 5 Symphonien für großes Orchester, Soloinstrument und Chor, dazu Klavierstücke, Ensemblewerke und eine Oper. Im April 2012 feierte er sein Debut mit der Uraufführung der Oper „Sumeida’s Song“ in dem jungen Ableger der renommierten New Yorker Carnegie Hall, der Carnegies Zankel Hall. Und schon arbeitet er an seiner zweiten.

Im Herbst 2011 erschien das Album Critical Models beim US Label Sono Luminus, ausschließlich mit Kammermusik von Fairouz. Es folgte im Januar 2012 das Album Five Borough Songbook bei GPR, mit seinem Lied “Refugee Blues”, welches den sensationellen Platz 12 in den ‚Billboard Traditional Classical Charts’ erreichte. Auch bei Naxos arbeitet man mit ihm an einer CD- Veröffentlichung.

In 2011 und 2012 hat Fairouz sechs Uraufführungen: die Piano Sonate Nr. 2 „The Last Resistance“, ein Bläserquintett „Jebel Lebnan“, ein Klarinettenquintett, das Chorwerk „Anything Can Happen“ und seine 3. Symphonie „Poems and Prayers”. Unter den vielen Ensembles und Solisten, die seine Werke in dieser Saison aufführen sind der international berühmte Klarinettist David Krakauer und die amerikanische Stargeigerin Rachel Barton Pine.

Mohammed Fairouz lehrt an der Fakultät an der Northeastern University in Boston. Im Sommer 2012 wird er Composer in Residence beim Imani Bläser Kammermusik Festival an der bedeutenden Juilliard School for Dance, Drama and Music in New York.

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