Biographie

Firouz Bakhor wurde 1942 in Stalinabad, dem heutigen Duschanbe, geboren und wuchs in der damaligen Sowjetrepublik Tadschikistan als Kind der Opernsänger Mulyuk Bakhor und Hadji Akhmedov auf. Nach erstem Klavierunterricht an der Tschaikowski-Musikschule und der darauf folgenden Ausbildung an der Musikfachschule seiner Heimatstadt studierte Bakhor ab 1963 am Moskauer Gnessin-Institut Klavier und schon bald zusätzlich Komposition, wozu er bereits in Tadschikistan durch die persönliche Begegnung mit dem Komponisten Yuri Ter-Ossipov angeregt worden war. Seine Lehrer waren G. I. Litinskij und ab 1966 E. A. Khagagortyan, dem er weiterhin verbunden blieb, auch nachdem er aus familiären Gründen an das Taschkenter Konservatorium wechselte, wo er sein Kompositionsstudium 1971 abschloss.

Aus seiner Studienzeit stammen Bakhors erste Erfolge, z. B. seine Klaviersonate op. 1 und das symphonische Poem „Mahnmal für einen unbekannten Soldaten“, das 1969 mit dem dritten Preis des unionsweiten Moskauer Wettbewerbs junger Komponisten ausgezeichnet wurde. Nachhaltige Popularität verschaffte sich Bakhor schon 1971 mit dem Orchesterstück „Marakanda“, das er unter dem altgriechischen Namen Samarkands dem 2500-jährigen Bestehen der Stadt widmete.

Von 1971 bis 1996 lehrte Firouz Bakhor an der staatlichen Kunsthochschule Tadschikistans Musiktheorie und nahm verschiedene Aufgaben im Komponistenverband Tadschikistans wahr. Dieser Lebensabschnitt ist durch ein intensives künstlerisches Schaffen gekennzeichnet: Es entstanden vier eindrucksvolle Symphonien, drei Ballette über zentralasiatische Sujets, sowie die philosophische Oper „Omar Khayyam“, die erst nach 1996 in Deutschland vollendet wurde. Auf kammermusikalischem Gebiet komponierte Bakhor vor allem für Klavier und Streichinstrumente, außerdem Lieder, Kantaten, Musik für Kinder, Film- und Theatermusik.

Seit Beginn seiner kompositorischen Tätigkeit ist es Firouz Bakhors Anliegen, in seiner Musik westliche und östliche Traditionen zu verbinden. Auf Basis einer Auseinandersetzung mit allen künstlerischen Ausdrucksformen, auch denen der Literatur und Kunst, schöpft Bakhor seine musikalische Inspiration vorwiegend aus den Überlieferungen seines eigenen Kulturkreises, wie z. B. aus dem „Shashmaqom“, einer Sammlung traditioneller Melodien und Vertonungen des persischen Mittelalters. Viele seiner Kompositionen sind auf irgendeine Weise mit dem orientalischen Skalensystem des Maqom verbunden, aber auch dort, wo er sich dem musikalischen Erlebnis auf östlichen Wegen nähert, bedient er sich fast ausschließlich des westlichen Instrumentariums. Von Jugend auf zudem mit historischen und zeitgenössischen europäischen Kompositionstechniken bekannt, nutzt er die zahlreichen ihm zur Verfügung stehenden Mittel für seine persönliche Form einer Stilsynthese, ohne dabei das Publikum aus den Augen zu verlieren.

In der Reihe der Komponisten der ehemaligen UdSSR der 1970-90er Jahre stand das Schaffen von Firouz Bakhor immer auf einem gesonderten Platz, denn Bakhor folgte keinen Moden und Zeitströmungen. Und so konnte mit den „Zeichnungen auf Seide“, einem Zyklus aus 24 Präludien und Fugen für Klavier, ein Werk langsam und spielerisch im Laufe vieler Jahre entstehen, bis es schließlich in Deutschland vollendet und 2008 mit dem 1. Preis des 5. Internationalen Prokofjew-Kompositionswettbewerbs in St. Petersburg honoriert wurde. In jüngerer Zeit vollendete Bakhor ein Klavierkonzert, das 2012 in Kiew in einer Fassung mit Streichorchester zur Uraufführung kam. Firouz Bakhor lebt heute in Berlin.


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