© Henri SELMER; Paris_Laetitia Lecuyer

Haruyo Nishizawa, Klarinettistin der Tokyo Sinfonietta, im Gespräch mit Peermusic Classical (PC) über die Uraufführung des Clarinet Concertino vom französischen Komponisten Jean-Louis Agobet.

PC: Frau Nishizawa, wie kamen Sie in Kontakt mit Agobet und seiner Musik?

2008 habe ich seine "Sectio" in Paris uraufgeführt. Das Stück hat eine sehr schwierige Solo-Passage für die Klarinette, doch Herr Agobet schien mit meiner Performance zufrieden gewesen, so dass er vorschlug, ein neues Stück für mich zu komponieren. Er ist auch häufiger in Japan.

PC: Wie würden Sie das Stück in musikalischer Hinsicht beschreiben?

Meiner Meinung nach ist dies wirklich "zeitgenössische Musik", das heißt eine Art Projektion unseres Lebensstils im Jahr 2012. Und, wie Sie wissen, ist das Konzert-Repertoire für die Klarinette nicht sehr groß - Mozart, Weber... wir freuen uns immer über die Geburt eines neuen Werkes für unser Instrument. Dieses Konzert sollte von möglichst vielen Klarinettisten gespielt werden: Ich finde es sehr wichtig, es macht unser Repertoire reicher. Es ist kein leichtes Stück, aber für alle professionellen Musiker machbar.
Ich kenne Jean-Louis Agobet seit fast zehn Jahren und schätze ihn für seinen guten Charakter und seine Menschlichkeit, sowie seine sehr tiefe und intelligente Herangehensweise an die Musik.
Es ist nicht zu viel "zeitgenössische Musik" – im positiven Sinne: es ist leicht zu hören.

PC: Sie spielen es in Paris und Tokio - glauben Sie, dass es Unterschiede in der Publikumsrezeption gibt?

Ich denke, es gibt keinen großen Unterschied zwischen den beiden Städten, Paris und Tokio sind beide sehr offen für neue Werke. So oder so, Uraufführungen sind immer gleichzeitig fantastisch und gefährlich!

PC: Wie geht es dem Musikleben in Japan heutzutage?

Wie Sie wissen, ist die abendländische Musik nicht unsere eigene Kultur; vor allem nach der Katastrophe glaube ich, gibt es keine große Notwendigkeit für Japaner, europäische klassische Musik zu hören, wenn die Qualität nicht hoch ist. Aber die (westliche) Musik ist eine gemeinsame Sprache, es gibt keine Grenzen im menschlichen Geist, also sollten wir diese Schönheit der Musik pflegen. In Japan ist es momentan das Ziel des normalen Lebens, in Sicherheit zu leben. Aber in der japanischen Tradition finden wir immer Wege, uns nach Katastrophen wieder aufzurappeln. Ich kann nur sagen, ich bin ein Optimist, und ich bin auch ein Optimist darin, dass eine echte Erholung von diesem sehr traurigen Ereignis in Japan möglich ist. Ich glaube an unsere Kraft.

PC: Würden Sie so freundlich sein und den folgenden Satz spontan  beenden? Ich spiele Agobet, weil ...
…weil mir dieses Stück sehr gut gefällt und ich es gerne auch für andere Klarinettisten bekannt machen würde! Und ich schätze Herrn Agobets Ermutigung für uns japanische Musiker.

PC: Vielen Dank, Haruyo Nishizawa!

 

Jean-Louis Agobet

Concertino for Clarinet
(2010-11)
für Klarinette und Ensemble

(Gemeinsames Auftragwerk von Radio France & Tokyo Sinfonietta)

Uraufführung: 12. Mai 2012, Le Cent Quatre (Paris)
Japanische Erstaufführung: 6. Juli 2012, Suntory Hall (Tokyo)

Haruyo Nishizawa, Klarinette
Tokyo Sinfonietta
Dirigent: Yasuaki Itakura