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Lou Harrison (1917-2003, USA)

geb. Portland, Oregon (05.14.1917)

Der Weltmusiker Lou Harrison

Lou Harrison verkörperte - nach Charles Ives, Henry Cowell und John Cage - den letzten der großen Individualisten unter den amerikanischen Komponisten des 20. Jahrhunderts. Er war es, der der sogenannten Weltmusik den Weg bahnte, indem er als einer der ersten Komponisten westliche und asiatische Musikstile und Instrumente zusammenbrachte.

Darüberhinaus gehört er zu den ersten Komponisten, die reine Schlagzeugstücke schrieben. Er war es aber auch, der Charles Ives' dritte Symphonie auf der Grundlage eines nicht beachteten Manuskriptes edierte und 1946 deren Uraufführung leitete - für diese Symphonie sollte Ives dann den Pulitzer-Preis erhalten. "Von Anfang an", so sagte Lou Harrison einst, "breitete ich mein Spielzeug auf einer großen Fläche aus." Und in der Tat gibt es wenig, was Harrison nicht erprobte. Motive dafür waren eine unstillbare Neugierde sowie die Freude an der künstlerischen Herausforderung. Und die suchte er nicht nur als Komponist. Er war auch publizierender Dichter, Maler, Kalligraph, er entwickelte Tonsysteme und erfand Instrumente, er unterstützte die internationale Sprache Esperanto. Innerhalb seines kompositorischen Schaffens erweiterte er das Instrumentarium und die musikalischen Formen: indem er etwa in seinen Schlagzeugstücken Gegenstände wie Bremszylinder, Metallrohre, Blumentöpfe und Mülleimer einsetzte oder Werke für indonesisches Gamelan-Orchester schrieb, indem er mittelalterliche Tänze, die barocke Sonatenform, Rituale der Navaho-Indianer, frühe kalifornische Missionsmusik und koreanische Hofmusik verwendete. Was aber als Konstante seine Musik durchzieht, ist eine betörende Melodik. Bezeichnenderweise konnte sich Harrison auch nicht für die Zwölftonmusik erwärmen, und den wenigen dodekaphonischen Stücken, die er schrieb, wußte er einen lyrischen Ton zu verleihen. Der amerikanische Komponist Ned Rorem etwa bescheinigte ihm die selten anzutreffende Fähigkeit, eine Melodie zu schreiben, die es wert sei gehört zu werden, und fühlte sich gar durch Harrisons "ansteckend schöne" Musik berauscht. Oder Michael Tilson Thomas, der in seiner Funktion als Dirigent der San Francisco Symphony Harrisons Kompositionen häufig auf das Programm setzte, bekannte, dass Harrisons Weisen ihm ständig durch den Kopf gingen. Dies mag eng damit zusammenhängen, dass für Harrison die Musik und die Kunst einen direkten Ausdruck des Lebens selbst bedeuteten.

Lou Harrison
Symphony No. 2

Keith Jarrett (Piano)
American Composers Orchestra
Dennis Russell Davies
NI 2512

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