
"Merhaba Türkiye", mit diesem Willkommensgruß eröffnete das Schleswig-Holstein Musik Festival sein diesjähriges Programm. Mit dabei war in vielen Konzerten der 1907 in Izmir geborene Komponist Ahmed Adnan Saygun, dessen Werke bei Peermusic Classical verlegt sind.
Saygun unternahm mit Béla Bartók, mit dem er eng befreundet war, gemeinsame Feldforschungsreisen nach Anatolien. Zusammen erforschten sie die Volksmusik des Landes, und nahmen sie auf Tonträger auf (Foto: Bartók und Saygun auf musikethnologischer Forschungsreise in Anatolien).

Rezensionen zum Rezital "Face to Face with Saygun" der türkischen Geigerin Hande Özyürek am 8.8.2011 in Hamburg. (Foto: © 2007 J. Rodach)
Geigerin Hande Özyürek und Pianist Fedele Antonicelli überzeugen im Kunst-Forum
. . . Vital und emotional ist auch die Musik von Ahmed Saygun . . . Eine Stunde lang führte das bestens eingespielte Duo Özyürek und Antonicelli seine Hörer in die Welt der wehmütig-elegischen Gesänge und seltsam stolpernden asymmetrisch-additiven Rhythmen ein. Sayguns Klavierstück Meseli etwa wirkte mit seinem vertrackten Ostinato wie eine anatolische Version von Take Five. In seiner großen, klassisch viersätzigen Violinsonate von 1941 hat der Komponist seine Klangsprache aber auch mit scharfen, impressionistischen Akkorden gewürzt.
Hamburger Abendblatt 10.8.2011
Türkische Klassik der Moderne
Liegt die Türkei nicht doch mitten in Europa? Musikalisch jedenfalls? Wer am Montag die Musik von Ahmed Adnan Saygun . . . hören durfte . . . war überrascht, wie deutlich der Grandseigneur der türkischen Klassik in der westlichen Tonalität und ihrer Formenwelt verwurzelt ist . . .
Als Dozent, Musikethnologe, Leiter des Presidential Symphony Orchestra in Ankara und natürlich als Komponist von Sinfonien, Solokonzerten, Streichquartetten, Chorwerken, Liedern und Opern wird er zu einer Schlüsselgestalt dieser neuen Türkei. Gleichwohl nimmt die internationale Fachwelt bis heute zu wenig Notiz vom 1991 verstorbenen Künstler. Erfreulich, dass der Türkeischwerpunkt des SHMF nun hilft, manche Wissenslücke zu schließen.
Als Anwältin der türkischen Klassik wurde Hande Özyürek engagiert . . . Mit ihrem körperlich üppigen, satten Ton schenkt sie der Sehnsuchtsmelodie in Ahmed Adnan Sayguns Sonate für Violine und Klavier op. 20 sogleich flammende Präsenz. Alles klingt so technisch sauber, intonatorisch makellos und vertraut virtuos, dass allein Özyüreks sanftes Anschleifen der Töne im Eingangsandante die erwartete orientalische Färbung ins Spiel bringt. Manch folkloregetränktes Parfüm verströmen indes später die Sätze aus Sayguns Suite für Violine und Klavier op. 33, in der auch die teufelsgeigerische Verspieltheit sehr viel Freude macht.
Peter Krause, DIE WELT 10.08.2011
