Uraufführung der Oper Die Passagierin von Weinberg bei den Bregenzer Festspielen 2010

Auszug aus dem Pressespiegel:

Süddeutsche Zeitung, 23. Juli 2010,  Egbert Tholl

   Was für ein Fund! Die Bregenzer Festspiele [...] entdecken eine 42 Jahre alte Oper von einer grandiosen Wucht, Drastik und ganz und gar eigenen Schönheit und bringen sie in beispielhafter Art und Weise auf die Bühne. Das klingt fast wie ein Wunder - und ist doch nur harte Arbeit. [...]. Diese Oper ist ein Meisterwerk. Und David Pountney verbeugt sich vor ihr.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23. Juli  2010,  Eleonore Büning

Wie geschaffen zum Singen die Vokalpartien, wenn auch rhythmisch nicht immer leicht. Streng durchkonstruiert das Stück, die schnelle Abfolge knapper Szenen erzeugt einen Sog nach vorwärts. Und obgleich es lärmend losgeht mit einem Angriff der Schlagzeugbatterie in Quintolen und Triolen, so überwiegen dann doch unerwartet die Stille und Sparsamkeit eines Kammerspiels. [...] Etwas unerträglich Bitteres hat diese Oper, zugleich etwas unerträglich Süßes. Bitter ist die Lakonie, mit der Libretto und Musik festhalten, wie die Täterin sich um Kopf und Kragen redet, nicht begreift, warum sie schuldig sein soll. Unerträglich schön sind die sich ins Unendliche ausweitenden Ensembleszenen im Lager, wenn die Frauen sich hinausträumen in ein besseres Leben. [...] Ein Meisterwerk.

Frankfurter Rundschau, 23 Juli 2010, Hans-Klaus Jungheinrich

   Weinberg erliegt an keiner Stelle der "Faszination" der Täterseite. Musikalisch bildet die Sphäre der Opfer sehr bald das eigentliche Zentrum. Weinberg findet hier einen ganz eigenartigen, suggestiven Tonfall, den man als "Leidens-Entrückung" bezeichnen könnte. Die zarte Unverletzlichkeit der Musik, oft nur sparsam von wenigen Instrumentallinien grundiert, deutet auf den Glauben an eine unzerstörbare humane Substanz. [...Die auf fast immaterielle Weise blühende Stimme der Martha von Elena Kelessidi wird man noch lange in Erinnerung behalten. Wie es denn nach dieser Aufführung unmöglich sein dürfte, die Künstlerschaft Mieczyslaw Weinbergs wieder zu vergessen.

Bayrischer Rundfunk, Radio 22. Juli 2010

   Es gibt einen magischen Augenblick in dieser fast dreistündigen Oper. Kurz vor Schluss, da hält man den Atem an und möchte Mieczyslaw Weinberg umarmen. [...] Der Verlobte Marthas soll dem Lagerkommandanten dessen Lieblingswalzer auf der Geige vorspielen. Aber weil er weiß, dass er nichts mehr zu verlieren hat, konfrontiert der Musiker den gewissenlosen Menschen mit den humansten Klängen aus den Untiefen der deutschen Geschichte - spielt Bach. [...] Allein dieses Moments wegen sollten alle Opernintendanten vielleicht kurz inne halten und sich dann für die Passagierin entscheiden.