Tobias PM Schneid: Uraufführungen

Am 19. Mai 2010 findet in Freiburg die Uraufführung von Tobias PM Schneids Klarinettenkonzert Beautiful Harmonizer statt. Solistin ist die Gewinnerin des 1. Freiburger Klarinettenwettbewerbs, Moran Katz. Das SWR Sinfonieorchester spielt unter der Leitung von Sylvain Cambreling. Einen Tag vorher, am 18. Mai, wird im Rahmen der Expo in Shanghai die Symphony No. 2 uraufgeführt. Gerd Albrecht dirigiert das Young Euro Classic Festival Orchestra, ein chinesisch-deutsches Orchester, zusammengesetzt aus Studenten der Konservatorien in Beijing, Shanghai und der Folkwang Hochschule Essen.
Termine
Beautiful Harmonizer - rhapsodic variations for clarinet and orchestra (UA)
Mittwoch 19.5.2010 20:00 Uhr; Freiburg, Konzerthaus
Moran Katz, Klarinette
SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg
Dirigent: Sylvain Cambreling
Symphony No. 2 - time lapse on slow motion grounds (UA)
Dienstag 18.5.2010 20:00 Uhr; Shanghai Concert Hall
Young Euro Classic Festival Orchestra China - Germany
Dirigent: Gerd Albrecht
Einführung zu beautiful harmonizer von Tobias PM Schneid:
"beautiful harmonizer" - "Schönheit" und "Harmonie (Harmonik)" zwei Begriffe, die im Bereich der zeitgenössischen Musik mitunter äußerst kritisch gehandhabt werden, sind Ausgangspunkt meiner Komposition geworden.
Ein "Harmonizer" ist im Bereich der Rockmusik ein elektronisches Gerät das einem (meist auf der E-Gitarre gespieltem) Ton, ein oder mehrere Intervalle hinzufügt, und damit eine beispielsweise vormals tonal-melodischen Linie durch harmonische Mixturen erweitert, die - durch die stets gleiche - also nicht an tonale Vorgaben angepasste - zusätzliche Intervallstruktur den einstmals tonalen Rahmen sprengt und so das klangfarbliche Spektrum deutlich bereichert.
Dieses Prinzip habe ich in meine Komposition übernommen.
So sind beispielsweise die Orchesterklarinetten häufig als derartige "Harmonizer" der melodischen Linien des Soloinstrumentes zu hören. Die Idee der Mixturen (also der Sequenzierung einer gleichbleibenden Akkordstruktur) sind für weite Teile des Orchestersatzes prägend. Der Rückgriff auf tonale (meist Dur-) Dreiklangsstrukturen ist einerseits auf Grund der besseren akustischen Ortung und Unterscheidbarkeit dieser Klänge innerhalb verschiedener Zeitachsen erfolgt, andererseits aber auch, weil ich die "Schönheit" dieser Klänge (trotz der mir sehr wohl bewußten historischen Besetzheit) durchaus nicht als "verbraucht" empfinde, sondern mir immer wieder Ansporn zum individuellen Umgang damit gibt.
Das ganze schwebt mir wie ein stellenweise verrückt gewordenes Orchestrion vor, das durch seinen mitunter allusiven Charakter mit augenzwinckerndem Ernst die Vielschichtigkeit zeitgenössischen Daseins zu reflektieren sucht.
